Storytelling ist viel mehr als nur ein Buzzword – das beweist Hubert Weitzer immer wieder aufs Neue. Im Wahlfach „Crossmediales Storytelling“ erklärt er uns, warum Geschichten eine Herzensangelegenheit sind und verrät am Grazer Barcamp, wie es gelingt, den User in den Bann zu ziehen.

Storytelling ist wie eine gute Liebesgeschichte. Es gilt den Leser oder die Zuschauerin zu bezirzen und ihm/ihr schöne Augen zu machen, ohne ihm/ihr etwas vorzumachen. Wenn das gelingt, gewinnt man sein/ihr Herz.

Bruce Darnell würde uns wahrscheinlich folgenden Tipp geben: „Zeigt Gefühle, Gefühle, Gefühle!“. Am besten echte Gefühle: eine Geschichte, die tatsächlich passiert ist mit Menschen, mit denen wir User uns identifizieren. Diese Storys brauchen nicht schnulzig zu sein. Sie können auch etwas Dramatisches, Spannendes oder Witziges erzählen.

Genau wie in der Liebe gibt es keine Garantie, dass sich das Gegenüber in unsere Geschichte verliebt. Doch „Date-Doctor“ Hubert Weitzer weiß, wie man seine Erfolg beim User auf die Sprünge hilft. Jede Geschichte muss Antwort auf folgende Fragen liefern:

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1. Was ist das Herz der Geschichte?

Hier gilt es, die Einzigartigkeit der Geschichte herauszuarbeiten. Dieser USP ist Verkaufsargument Nummer eins und bildet den Kern der Geschichte.

2. Wo schlägt das Herz?

Jede Geschichte braucht einen oder mehrere Handlungsorte. Also sollte man sich überlegen, wo die Geschichte am besten spielt.

3. Was will das Herz?

Welches Ziel hat die Geschichte? Storytelling soll am Ende auch immer etwas bezwecken – zum Beispiel ein Produkt verkaufen oder auf eine Dienstleistung aufmerksam machen. Nur wenn dieses Ziel erfüllt wird, erfüllt Storytelling seinen Sinn.

4. Was bringt das Herz zum Rasen?

Was soll die Zuschauer berühren? Welche Emotionen möchte man beim User auslösen? Dabei sollte man jede Geschichte auf lediglich fünf Schlagworte begrenzen. Denn mehr Aussagen kann eine Story nicht umsetzen.

Hat man das geschafft, hat man einen strategischen Filter für jede weitere Entscheidung in der Produktion. So kann man jede Idee abwägen und hat immer ein Argument, ob diese in die Geschichte passt oder nicht.

5. Warum ist das Herz so kompliziert?

Nun braucht die Geschichte einen Charakter. Dabei legt man den Fokus auf spezifische Eigenschaften, die man betonen möchte.

6. Wo hast du dein Herz versteckt?

Worin steckt die Einzigartigkeit der Geschichte? Und wie kann man diese zum Ausdruck bringen?

7. Operation am lebenden Herzen

Im nächsten Schritt baut man einen Spannungsbogen auf:Zuerst weckt man die Neugier, dann erklärt man die Story und löst am Ende die Geschichte auf.

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8. Ich weiß jetzt, wie dein Herz schlägt.

Zuletzt wird die Geschichte aufgelöst. Man weißt den User durch einen klaren Call-to-Action darauf hin, welchen Vorteil er hat oder was er tun soll.

Was hängen bleibt – mein Fazit:

Storytelling meint, Gefühl und Verstand gleichzeitig anzusprechen. Und wenn dies dem Storyteller gelingt, erzählen die Menschen die Geschichte weiter. Mir gefällt  als Schlusswort das Zitat der Journalistin Gabi Pfeiffer:

„Geschichten schlagen ihre Enterhaken in unsere Aufmerksamkeit, fesseln mit Information und Emotion und bleiben – wenn sie gelingen – noch lange im Gedächtnis haften.“

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