Nur 23 Prozent der Deutschen sind mit dem zufrieden, was die digitale Behörde ihnen bietet. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Unternehmensberatung Accenture. Befragt wurden 6600 Bürger in sieben Ländern. Soweit kann es mit der digitalen Revolution also nicht sein. Eine Bestandsaufnahme.

Bei dem Besuch des Government Digital Service (GDS) in London haben wir COS-Studenten schon eine Ahnung bekommen wie weit uns Großbritannien hier voraus ist. Dies bestätigen auch die Ergebnisse von Accenture. Demnach sind die Befragten in den Vereinigten Arabischen Emiraten (54 Prozent), in Großbritannien (48 Prozent) und in Singapur (46 Prozent) am zufriedensten mit den Angeboten ihrer Behörden.

In Deutschland wünschen sich die Bürger laut Accenture, dass ihre Fragen online beantwortet werden, sie den aktuellen Status ihrer Anfragen einsehen und erforderliche Informationen nur einmal eingeben müssen. Dazu gibt es mit dem sogenannten Bürgerkonto bei einigen Kommunen durchaus schon Fortschritte zu vermelden. Von diesem Konto aus können die Bürger Ausweise und Genehmigungen beantragen. Ab wie gesagt, leider gibt es so etwas noch nicht flächendeckend.

Wie sieht es bei den Banken aus?

Wagen wir einen Blick in die Finanzbranche. Wie sieht es dort aus? Auch hier spaltet die Diskussion um die Digitalisierung wieder die Gesellschaft in Befürworter und Kritiker. Da Deutschland ein Land mit ausgeprägten Bedenken ist, müssen diese auch ernst genommen werden.

Laut Roland Boekhaut, Vorstandvorsitzender der ING-DiBa AG sollte bei den digitalen Fortschritten die Akzeptanz der Verbraucher im Mittelpunkt stehen. Der Nutzen für den Kunden muss sichtbar sein.

Allerdings bieten einige Banken heute schon ein sehr gutes Online-Banking an oder Apps, um aktuelle Depotbestände abzurufen. Diese Chancen im Zahlungsverkehr müssen auch hier flächendeckend genutzt werden.

Persönlicher Kontakt wichtiger denn je

Bei den ganzen Fortschritten darf allerdings nicht vergessen werden, dass für viele der persönliche Kontakt zum Kontakt etwas ist, was weiterhin gewünscht ist und auch im digitalen Zeitalter überleben wird.

Nach einer Expertenbefragung, die die GFT (IT-Dienstleister) zur Zukunft des Finanzwesens unter Bankentscheidern durchgeführt hat, kam heraus, dass über 83 Prozent der Banken bereits an einer Digitalisierungsstrategie arbeiten oder einzelne oder mehrere Projekte gestartet haben. Das zeigt: der Wettbewerb ist in vollem Gange, denn gleichzeitig haben lediglich 8 Prozent aller Befragten bereits eine allumfassende Lösung implementiert.

Von einem Selbstläufer kann aber noch keine Rede sein. Bei der Etablierung einer Digital Banking Plattform und der Integration einer Digital Banking Lösung in die bestehende Infrastruktur Lösung liegen die deutschen Banken jeweils deutlich hinter dem Durchschnitt.

Es bleibt spannend

Mehr als 60 Prozent gehen davon aus, dass es noch 3 bis 5 Jahre dauern wird, ihre digitale Transformation abzuschließen; nur ein Drittel meint, es werde schneller gehen. Das ist im europäischen Vergleich deutlich verzögert

Nur 10 Prozent der befragten Finanzinstitute schätzen sich im Vergleich zu ihren (internationalen) Wettbewerbern in der Digitalisierung als deutlich fortgeschrittener ein. Gleichzeitig glauben nur knapp 30 Prozent, dass sie hinter ihren Wettbewerbern liegen.

Fazit: Die digitale Revolution muss – egal ob in deutschen Behörden oder in der Finanzbranche – wohl noch ein wenig warten.

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