Design und Content – was war zuerst da? Die Frage erinnert an das Henne-Ei-Problem. Als Redakteurin bin ich natürlich eine Verfechterin des Content-First-Ansatzes. Doch der Kurs „Typografie und Webdesign“ von Jürgen Genser hat mich belehrt, dass Content und Design Hand in Hand gehen müssen, um Ihre volle Wirkung zu entfalten.

Soll ich für einen Kunden neue Imagetexte für die Website produzieren, sprudelt es in meinem Gehirn vor Ideen. Diese reichen weit über kreative Formulierungen hinaus. Ich habe oft eine genaue Vorstellung davon, wie der Content auf der Website aufgebaut sein soll: Da ein Infokasten, da ein Bild, da eine Timeline… Doch dann bekomme ich ein Template vor den Latz geknallt, dass so ganz und gar nicht meinen Vorstellungen entspricht. Die Folge: Ich muss meine gestalterischen Ideen verwerfen und darf oft lediglich den Platzhalter- Text auf der Seite austauschen. Mein Plan ist damit für die Katz.

Plädoyer: Weg mit den Lorem-Ipsum-Texten!

Zugegeben: Das nervt! Ich hasse Lorem-Ipsum-Texte und kann sie nicht mehr sehen. Und ich schiebe einen ganz schönen Hass auf Designer…

Dabei ist es oft nicht so, dass mir der Entwurf an sich nicht gefällt. Ich weiß sehr wohl, dass es Menschen gibt, die ein viel besseres Verständnis für Formen und Farben haben als ich. Es ist nur so, dass das Design damit zur reinen Fassade wird – völlig losgelöst von meinen Inhalten.

Das Problem: Das verwenden von Blindtext und Platzhalterbildern kann zu einem ästhetisch ansprechenden, aber unrealistischen Design führen. Noch schlimmer: Es deklassiert die Inhalte zu einem zweitranigem Produkt.

Die Schuld liegt jedoch gar nicht bei den Designern, sondern beim Kunden, der „zuerst etwas sehen möchte, dass er dem Chef präsentieren kann“. Und ein Word-Dokument zeigt sich nun mal nicht so schön her. Mit bunten Bildchen kann man schneller Eindruck schinden und den Vorgesetzten beeindrucken.

Design- und Content-Agentur bekommen meist noch nicht einmal das gleiche Briefing. Beide arbeiten unabhängig voneinander und erstellen zwei Produkte, die matchen müssen, ohne miteinander abgestimmt worden zu sein. Das kann nicht funktionieren! Das führt zu Frust auf mindestens einer der beiden Seiten und/oder zu einem minderwertigen Ergebnis.

Denn das Design kann nicht alleine das Konzept sein. Die Gestaltung ersetzt keine konzeptionelle und inhaltliche Planung.Doch auch der Inhalt wirkt wie eine Bleiwüste ohne die entsprechende Darstellung.

Wenn Content und Design sich verbünden

Vereinen sich jedoch die beiden Seiten, entsteht etwas wundervolles. Design und Inhalte gehen eine Beziehung miteinander ein und der User spürt diese Harmonie in der Kommunikation. Jürgen Genser hat uns in seinem Kurs gezeigt, dass es sich lohnt zusammenzuarbeiten. Alleine was es ausmacht, die Schriftaart auszutauschen – sofort schwingt in jedem Wort eine neue Botschaft mit. Das hat mich beeindruckt. (Besonders hilfreich waren die vielen Tool- und Linktipps. Diese hat meine Kommilitonin Kerstin ausführlich aufgelistet. Danke dafür! Wie viel Spaß wir hatten, uns die Entwicklung von Websites angesehen haben, erfahrt ihr von Romana. Und Anneliese greift die Tipps gleich auf und passt die Schriftart auf Ihrem Blog an)

Die Aufgabe des Content Strategen setzt hier an: Er muss dafür sorgen, dass Designer und Redakteure sich an einen Tisch setzen und gemeinsam einen Entwurf gestalten. Beide Parteien müssen endlich aufhören, sich gegenseitig übertrumpfen zu wollen oder sich gegenseitig die Schuld hin- und herzuschieben.Schließlich sollte es im Web immer nur einen Gewinner geben – und das ist der User!

 

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